INFO für die Angehörigen von Messies und Verwahrlosten:







Sie sind Angehörige / Angehöriger von einem Messie oder von einer Verwahrloste und möchten ihr / ihm helfen?


Was tun nun?


Hier, auf dieser Seite finden Sie nützliche ausführliche Informationen über Ihr Vorgehen!






Vorsicht bei eigenmächtiger Hilfe!

Es stellt keine Hilfe dar, einem Messie die Wohnung leer zu räumen.

Eine solche Massnahme, von Verwandten, Freunden oder Behörden durchgeführt, repariert lediglich vorübergehend das äussere Bild.

Für die Betroffenen stellt dies eine grausame Gewalthandlung dar, mit der massiv in ihre Privatsphäre eingegriffen wird.

Dass die Räumung der eigenen Wohnung einen Eingriff in die Privatsphäre darstellt, erscheint den meisten Menschen nachvollziehbar.



Für Messies ist hieran über das normale Mass hinaus problematisch, dass es sich bei dem angeblichen Müll um die Dinge handelt, die er nicht loslassen kann und mag. Die Sachen haben für den Messie einen besonders hohen Stellenwert. Er selbst und sein Leben hängen daran. So kann durch eine zwangsweise Räumung bei dem Betroffenen das Gefühl entstehen, es werde das eigene Leben entsorgt - wodurch sogar Suizidgefahr ausgelöst werden kann.

Bei einer Räumung wurde und wird zwar der „Müll“ mehr oder weniger nachhaltig beseitigt, aber die Persönlichkeit hinter dieser „Fassade des Schmutzes“ mit all ihren Defiziten, Kränkungen, Schamgefühlen und Traumata nicht begleitet wie es unbedingt nötig wäre. Ohne weitere, therapeutische Massnahmen und mittelfistig- bis langfristige Beratung und Begleitung wird die Wohnung auch schnell wieder den ursprünglichen, überfüllten Zustand erreichen.







Professionelle Beratung / Psychotherapie:

Allerdings ist es meist nicht mit dem äusseren Aufräumen getan; mitunter wird eine Beratung oder gar eine Psychotherapie nötig, um eine nachhaltige Veränderung der Lebensführung zu bewirken.

Vor allem Betroffene, bei denen offensichtlich eine ernste Grunderkrankung wie Depression, Sucht, Zwang o.a. vorliegt, sollten professionell behandelt werden.

Die Therapie eröffnet dem Patienten die Moglichkeit, sich mit dem inneren psychischen Chaos auseinanderzusetzen und dabei eine neue innere Ordnung zu finden.


Man kann also sagen: Wer "nur" seine Wohnung aufräumt, riskiert einen Rückfall; wer seine Seele aufräumt, kommt mit sich selber besser klar--auch langfristig.






Unsere Empfehlung an Angehörige:

Freunde und Angehörige sollten sich aus der praktischen Hilfe lieber heraushalten, da es fast unweigerlich zu Konflikten kommt.


Die wichtigsten Gründe dafür sind Unverständnis und mangelnde Geduld.


Die Beziehung ist zu wertvoll, als dass sie damit belastet oder gar gefährdet werden sollte. Bei „Messies“ gibt es einen Sog in die Isolation, in Ausweichverhalten, Schwindelei usw.

Das kann eine freundschaftliche Beziehung ernsthaft gefährden und der Isolation der Betroffenen Vorschub leisten.


Wir, als ATAX Team raten, offen zu reden, bei der Suche nach Lösungen zu helfen und konkrete Aktionen mangels Verständnis ganz bewusst nicht eigenmächtig anzugehen.



Angehörige und Freunde sollten sich selbst beraten lassen, bevor sie aktiv werden.







Vorbemerkungen

Es zeigt sich immer mehr, dass die gegenseitige, persönliche Hilfe unter den Angehörigen von Selbsthilfegruppen sehr hilfreich sein kann, sofern sie richtig angepackt wird.

Oft ist bereits die passive Anwesenheit einer Vertrauensperson des „Messies" sehr dienlich - er kommt dann unter Beobachtung, Beratung und Beistand erfahrungsgemäss sehr viel weiter als er dies je ganz alleine geschafft hätte! Hingegen hat sich gezeigt, dass die Hilfeleistung von Verwandten eher problematisch ist: durch enge Vernetzung und gemeinschaftliche Vergangenheit sind Schamgefühl und Verletzungsgefahr besonders gross – auch Respekt und Wahrung der Diskretion sind heikler.

Hilfe kann von verschiedener Seite angeboten werden: - im persönlichen Umfeld (Angehörige, Bekannte) - private, kommerzielle und nicht kommerzielle Hilfsdienste - öffentliche und bestehende Strukturen (Sozialdienste, Spitex)








Wie sieht es mit den Angehörigen der Messies aus?

Oftmals können Angehörige das „Messietum” nicht nachvollziehen und müssen dennoch mit den Auswirkungen leben. Sie empfinden häufig ebenfalls einen starken Leidensdruck.

Hoffnungs- und Ausweglosigkeit breiten sich aus, wenn auch nach den grössten Bemühungen – sprich Aufräumaktionen, heftigsten Vorwürfen, tief greifenden Gesprächen etc. – der Messie wieder nicht in der Lage ist, an seiner Lebenssituation etwas zu ändern bzw. die einmal hergestellte Ordnung seiner Wohnung wieder nicht aufrecht halten kann. Durch den von Angehörigen erlebten Leidensdruck, ihre Erwartungshaltung gegenüber dem Messie, ihren auf den Messie ausgeübten Druck, und das Leiden des Messies selbst, können in einer Familie Streit und Konflikte eskalieren. 

Für den ohnehin schon überforderten Messie eine ausweglose Situation – häufig so lange, bis Hilfe von Aussen geholt wird.


Bei schweren Messie-Syndrom Fällen:  Was Angehörige, Nachbarn und vor allem Helfer wissen müssen?


Einige Hinweise zum Thema: „psychologische Aspekte bei der Betreuung des Vermüllungs-Syndroms" sind bereits angeklungen.


Was heisst das nun konkret für die Helfer, seien es Angehörige, Bekannte oder Nachbarn, seien es Sozialarbeiter, Ärzte und Psychologen der Gesundheitsämter, psychosozialen oder sozialpsychiatrischen Dienste, der Ambulanzen, Polikliniken u.a.


Und schliesslich die Klinikärzte?



Auf einen kurzen Nenner gebracht heisst das: Man darf sich nicht wundern, nicht ekeln, nicht verurteilen, nicht mit brachialer Gewalt „entmüllen" und ausschliesslich „Recht und Gesetz" im Kopf haben wollen. Dagegen sollte man sich als erstes fragen: Wie kommt ein Mensch wie du und ich in eine solche Situation? Vor allem darf man nicht glauben, man wäre als „Helfer" willkommen. Denn ob Nachbar, Sozialarbeiter oder Arzt, dem Patienten droht „Ungemach" - jedenfalls aus seiner Sicht.


Und so ganz unrecht hat er ja nicht. Es wird sich etwas ändern, und zwar zu seinen Lasten - subjektiv gesehen, aber schliesslich ist das auch sein Leben und damit Standpunkt.

Deshalb sind die Menschen hinter ihren Müllbergen auch kaum zugänglich.

Oft wird die Tür nicht geöffnet und wenn ein Gespräch zustande kommt, wird der chaotische Wohnungszustand heruntergespielt.

Viele glauben in naher Zukunft in der Lage zu sein, alles ordnen und aufräumen zu können (es klang schon mehrfach an).



Für andere befinden sich unter dem Müll die erwähnten wertvollen Gegenstände, die auf jeden Fall aufbewahrt gehören. Viele zeigen nicht bloss keine Auskunftsbereitschaft, sondern lehnen auch jeglichen Kontakt ab.


Auch darum sind die entsprechenden Hinweise in den Akten so dürftig.

Und deshalb sind auch die Helfer meist nicht ausreichend geschult und gewappnet, was ihre ohnehin heikle Aufgabe erschwert.


Und weil die Patienten nicht gleich mit „Dankbarkeit und Verständnis" reagieren, wird ihre ablehnende Haltung mitunter - bewusst oder unbewusst - als Provokation interpretiert und sie geraten rasch in Gefahr, als „unzugängliche, wenn nicht gar böswillige Asoziale" abqualifiziert zu werden.


Das dürfte dann den psychologischen Zugang noch mehr erschweren.


Daher gilt es die bisher erarbeiteten Erkenntnisse zu nutzen:


Ein Zugang zum inneren Erleben dieser Menschen kann nur durch eine ver­ständnisvolle Beschäftigung mit ihrer äusseren Situation hergestellt werden.


Wenn man sich nur auf die „amtlich angeordnete Entrümpelung konzentriert, geraten die meisten in Angst und Panik über den „Verlust", den man ihnen antut. Alle Hilfswilligen und Mitmenschen „guten Willens" haben damit erst einmal einen schweren Stand. Vor allem kann die spätere Aufnahme einer therapeutischen Beziehung dadurch schon im Ansatz zerstört werden.

Deshalb gilt es nach Ansicht der Experten den Patienten (und nicht „Asozialen") auch besser vor Kündigung und Zwangsräumung zu schützen. Da der Betroffene selber dazu keinen Beitrag leisten will oder kann, muss ggf. eine Betreuung bezüglich Wohnungsangelegenheiten diskutiert werden. Und da man um eine Entmüllung meist nicht herum kommt und aus den erwähnten psychologischen Gründen mit entsprechenden Reaktionen zu rechnen ist, selbst bei geduldiger Vorarbeit, kann auch eine stationäre Einweisung in eine Fachklinik notwendig werden.

Dies vor allem bei starker Erregung (Angst- und Panikreaktionen) und bei drohender Selbstgefährdung (Selbsttötungsabsichten) oder Fremdgefährdung (aggressive Durchbrüche).


In der Klinik selber kann dann auch der Einsatz von Psychopharmaka, z. B. von antipsychotischen Neuroleptika, gelegentlich auch von Antidepressiva und Benzodiazepin-Tranquilizern notwendig werden, um einen besseren Zugang zu dem Kranken zu bekommen.








Heimliche Vermüllungs-Strategie während des Klinikaufenthaltes?

Wie tief in Wesensart und Lebensstil das Horten von Unrat oder nutzlosen Gegenständen eingedrungen sein kann, beweist das heimliche Sammeln sogar während des (Zwangs-) Aufenthaltes in einer psychiatrischen Fachklinik.


Selbst dort zeigt sich nämlich bei nicht wenigen Patienten, dass zwar in milder, aber unübersehbarer Form selbst auf Station versteckt und gesammelt wird.

Und dies unter Angabe ähnlicher Gründe wie zu Hause, nämlich „dass die Dinge eben gebraucht würden oder zu schade zum wegwerfen seien".


Meist geht dies an dem in dieser Hinsicht unerfahrenen Personal völlig vorbei.

Entsprechende Hinweise geben erst die Angehörigen oder Besucher nach einer gewissen Zeit, weil ihnen Abfälle der Station zum „Wiederverwerten" nach Hause mitgegeben oder weil sie um „Aufbewahrung" von alten Zeitschriften gebeten werden, die ansonsten auf Station entsorgt würden, damit sie der Patient nach seiner Entlassung zu Hause lesen könne.


Das macht die Situation zwar nicht einfacher (es droht ein z. T. heftiger Widerstand gegen die Behandlung im Allgemeinen und eine „Zwangs-Medikation" im Speziellen).




Dafür eröffnet sich vielleicht die Chance für einen echten Neuanfang.



Leider reicht die Krankenhaus-Zeit dafür in der Regel nicht aus (Stichwort: aus Belegungs- oder Krankenkassen-Sicht nur kurzzeitige Krisenintervention möglich), so dass nach der (zu frühen) Entlassung schon deshalb eine ambulante Weiterbetreuung unumgänglich wäre.



Dass auch dies seine Grenzen hat, weiss jeder, der sich mit einer solchen Situation schon einmal befassen musste, also die Sozialen Dienste, der Hausarzt oder andere Einrichtungen mit Betreuungsfunktion, die in der Regel nicht zu beneiden sind.



Denn hier ist in der Tat ein voller Einsatz gefordert. Man stelle sich einfach die Reaktion eines gesunden Mitmenschen vor, der aus der Klinik zurückkehrt und eine völlig ausgeräumte Wohnung findet.


Und das nun unter den abnormen, aber für solche Patienten psychologisch nachvollziehbaren Bedingungen eines Vermüllungs-Syndroms.

Das heisst: Die plötzliche „Leere" der Wohnung wird - wie erwähnt - nicht selten als regelrechte Katastrophe erlebt.



In seinem Zorn und seiner Verzweiflung kann dann der Patient die - in der Klinik zugestandene - ambulante Nachbetreuung plötzlich ablehnen. Vor allem beginnt er erneut rastlos zu sammeln und sich der Umwelt wieder zu verschliessen.



Deshalb empfehlen viele Experten eine längerfristige fachklinische Behandlung. Denn die Konfrontation mit der richterlich angeordneten Entmüllung stösst den Patienten zwar in unsere Normalität zurück.

Die ist für ihn aber lediglich eine „Realität", die er ja längst im wahrsten Sinne des Wortes vergraben hat.


Der radikale Säuberungs-Eingriff muss deshalb traumatisch (seelisch verwundend) erlebt werden.



Der Patient steht schutzlos einer neuen Wirklichkeit gegenüber, mit der er früher schon nicht fertig wurde und die er jetzt doppelt nicht in den Griff zu bekommen droht (nach P. Dettmering).



Bei einer Krisenintervention ist zwar die akute Eigen- und Fremdgefährdung durch die Wohnsituation überbrückt, aber das innere Chaos und die damit verbundene Selbstgefährdung noch lange nicht.

Deshalb kann es notwendig werden, die amtliche Betreuung (Pflegschaft) auf den Wirkungskreis der Heilbehandlung und der Aufenthaltsbestimmung auszudehnen.







Langfristige Heilungsaussichten ungewiss:

Die Prognose, also die Heilungsaussichten sind daher vor allem mittel- und langfristig ungewiss. Eine Chance ergibt sich aus der alten Erkenntnis: je früher, desto besser.


Wird also eine seelische und psychosoziale Dekompensation mit beginnender Vermüllungstendenz frühzeitig erkannt, ist die Chance, die psychodynami­schen Hintergründe aufzuarbeiten grösser als bei einem fortgeschrittenem Vermüllungsgrad.


Quelle: http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/vermuellung.html







Wie kann man einem Messie helfen?

Grundsätzlich kann einem Messie gut geholfen werden.

Dafür muss aber die Bereitschaft des Messies vorhanden sein, sich helfen zu lassen, etwas zu ändern. Ist diese Bereitschaft nicht vorhanden, wird die angebotene Hilfe als Bedrohung gesehen.

Viele Betroffene nehmen die Hilfe eines Therapeuten in Anspruch, der die Ursachen dieser „Krankheit“ mit dem Betroffenen verarbeitet und die „angelernten Verhaltensweisen“ (Sammeln, Horten) langsam ändert.


In vielen Ländern gibt es Selbsthilfegruppen, die eine gute Anlaufstelle für Betroffene sind.












Professionelle Partnerschaft lässt keine Wünsche offen!